Mein nächster Stopp bei meiner großen Reise sollte die Stadt Phnom Penh werden. Nach einer recht angenehmen, sechsstündigen Busfahrt erreichte ich Kambodschas Hauptstadt am späten Nachmittag. Ich machte meine Unterkunft ausfindig und schaute mich anschließend noch etwas um. Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einem Reisebüro und einem Streetfoodstand, der meinem Geschmack entsprach und dachte mir auch dementsprechend nicht viel dabei, als ich abends durch die Gassen Phnom Penhs schlenderte. Das mache ich schließlich immer, wenn ich in einer neuen Stadt ankomme – die neue Umgebung einfach zu Fuß erkunden. Während dieser Erkundungstour beschlich mich aber ein sehr komisches Gefühl, da ich mir einbildete, dass ich vor allem von den Männern an den Straßenrändern durchdringend angestarrt wurde. Deswegen machte ich mich, nachdem ich meinen Bauch gefüllt hatte, auch schnell wieder zurück zu meiner Unterkunft. Ich dachte mir, dass ich mir all dies vielleicht nur eingebildet habe, jedoch erzählten mir später auch noch andere Frauen, dass sie ein ebenso ungutes Gefühl in Phnom Penh hatten, wenn sie alleine unterwegs waren.

S21-Museum

Am nächsten Morgen schloss ich mich einer Tour an, um das S21-Museum und die Killing-Fields zu besuchen, die über die dunkle Vergangenheit des Landes aufklären. Kambodscha litt nämlich von 1975 bis 1978 unter der Schreckensherrschaft der roten Khmer. Diese radikale Gruppe wollte einen kommunistischen Bauernstaat errichten und dadurch eine landwirtschaftlich arbeitende Bevölkerung ohne Bildungsschicht schaffen. Der persönliche Besitz wurde abgeschafft, die Menschen von den Städten aufs Land geschickt, um dort gezwungenermaßen harte Arbeit auf den Feldern zu leisten, oder sie wurden gleich gefangen genommen. Wer gebildet war, wurde zuerst verhört und dann ermordet. Als gebildet galt man aber auch schon, wenn man zum Beispiel eine Brille trug oder weichere Hände hatte. Viele Schulen wurden in dieser Zeit zu Gefangenenlagern umfunktioniert, in denen die Menschen in kleine Zellen gesperrt und am Tag mehrere Male verhört und gefoltert wurden. Auch das S21-Museum war eine dieser vielen Folterstätten und wurde im Jahr 1980 zu einem Museum gemacht, damit diese grausame Zeit nicht in Vergessenheit gerät. Am Ticketschalter erhielt ich einen Audioguide, der mich zwei Stunden lang durch das ehemalige Gefangenenlager führte. Die Führung war interessant, aber sehr bedrückend. In den Zellen hatte ich das Gefühl das Leid und die Angst der Gefangenen deutlich spüren zu können, in den Folterkammern die Verzweiflung und die Aussichtslosigkeit. Es war ein grausames Gefühl den gepeinigten Opfern ins Gesicht zu sehen, denn überall im Museum hängen Portraits von den Gefangenen. An Essen war den restlichen Tag nicht mehr zu denken, denn als ich die noch immer vorhandenen Blutflecken am Boden der winzig kleinen Zellen sah, wurde mir übel.

Nach diesem augenöffnenden Besuch im Museum, ging es weiter zu einem weiteren grausamen Ort: den Killing Fields. Die gefangenen Kambodschaner wurden nach der Folter und dem Verhör in einen der Stätten wie dem heutigen S21-Museum weiter raus ans Land gebracht, wo sie endgültig umgebracht wurden. Dutzende Menschen mit verbundenen Augen wurden täglich zu den Killing Fields gebracht, wo sie von den roten Khmer mit stumpfen Gegenständen erschlagen wurden. Erschossen wurden die Opfer nicht, denn die Schüsse hätten Aufmerksamkeit erregt und man wollte Munition sparen. Massengräber wurden ausgehoben, vor denen sich die Menschen aufstellen mussten, bevor sie mit einem Schlag ins Jenseits befördert wurden und daraufhin ins Grab fielen. Auch hier bekam ich wieder einen Audioguide, der mich durch das Areal führte.  Bedrückend, aber sehr lehrreich und interessant war auch dieser ehemalige Ort des Schreckens.

Am Nachmittag, wieder zurück in der Hauptstadt, beschloss ich mir noch den Königspalast anzusehen und mir anschließend ein Busticket nach Sihanoukville, einer Küstenstadt, zu buchen. Der große Palast war für mich weitaus nicht so beeindruckend wie der Grand Palace in Bangkok, allerdings gefielen mir die silver pagodas, die zwar nicht silbern, sondern grau waren, sehr gut. Danach spazierte ich wieder zu meiner Unterkunft und freute mich schon auf den nächsten Tag, wo es zuerst an die Küste und dann auf eine Insel gehen sollte…