Nach drei Stunden Flugzeit und einigen Turbulenzen erreichte ich endlich die malaysische Insel Penang, die mit einer Brücke zum Festland verbunden ist. Ein Monat nachdem ich das Land das erste Mal besucht hatte, betrat ich nun ein weiteres Mal den malaysischen Boden!

Ich verbrachte insgesamt vier Tage in Georgetown, der Altstadt der Insel. Dort hatte ich eine etwas interessantere Tagesroutine: Ich stand jeden Morgen sehr früh auf, um mir etwas von der Stadt anzusehen, machte über die Mittags/Nachmittagszeit eine Art Siesta und begab mich erst abends wieder vor die Haustüre. Es war nämlich unglaublich heiß, sodass man es um die Mittagszeit in nicht-klimatisierten Bereichen kaum aushielt. Trotz der echt extremen Wetterlage gefiel mir Penang sehr gut, denn es gab viele verschiedene Dinge zu sehen.

Die Altstadt wurde 2008 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt, da sich in den kleinen Gassen interessante Streetart-Kunstwerke befinden. Außerdem gibt es auch einige öffentliche Galerien, die man besichtigen kann. Diese Kunstszene verlieh der Stadt ein ganz eigenes Flair für mich. Auch die Multikulturalität, wie es sie fast überall in Malaysia gibt, war auch in Georgetown sehr präsent.

Sightseeingmäßig besuchte ich natürlich die Streetart-Kunstwerke,  eine floating Mosque, die sich im Meer befand, einen chinesisch-buddhistischen Tempel und den Penang Hill, der von den britischen Kolonialherren früher als Aussichtspunkt verwendet wurde und vor allem durch sein angenehmes, kühles Klima du seine schöne Aussicht bekannt ist.

Kek Lok Si Tempel

Ich wohnte außerdem auch einmal einer zweistündigen Meditation bei Vollmond in einem hinduistischen Tempel bei – das war auch sehr interessant und eine komplett neue Erfahrung für mich.

Danach ging es für mich sechs Stunden lang mit dem Bus in etwas kühlere Gefilde, die Cameron Highlands. Auch hier siedelten sich die Briten früher vermehrt an, nicht zuletzt wegen der angenehm kühlen, britischen Wetterverhältnisse. Heute zählt diese Region, oh welch ein Wunder, zu den größten Teeproduzenten in ganz Malaysia. Ursprünglich dachte ich, dass ich das kühlere Wetter eher weniger begrüßen würde und plante dadurch nur weniger Aufenthaltszeit hier ein, die ich jedoch sehr bald verlängerte.

Die Temperaturen waren nämlich meiner Meinung nach perfekt: Tagsüber konnte es ganz schön heiß werden und gegen Abend wurde es angenehm kühl. Außerdem war ich in einem außerordentlich netten Hostel untergebracht, wo ich sehr viele neue nette Menschen kennenlernte. Tagsüber wanderte ich entweder durch den Dschungel, oder endlos erscheinende Teeplantagen entlang und abends tauschte ich mich noch etwas mit den Leuten aus dem Hostel aus.

Ein paar Tage später verabschiedete ich mich aber wieder von den kühlen Temperaturen der Cameron Highlands und ich setzte mich in einen Bus, der mich in die Landeshauptstadt Kuala Lumpur bringen sollte. Bei dieser Fahrt überwand der Bus einige Höhenmeter in Form von unmenschlich gestalteten Kurven, was zu Folge hatte, dass mir unheimlich schlecht wurde. Nach eineinhalb kurvenreichen Stunden erreichte der Bus aber endlich die Autobahn, wo sich mein Magen auch wieder beruhigte.

Obwohl das Thermometer jeden Tag knapp über 40 Grad anzeigte und es am Nachmittag immer ein schon fast furchterregendes Gewitter zu bezeugen gab, gefiel mir die Stadt unbeschreiblich gut! Ich verbrachte schlussendlich über eine Woche in Kuala Lumpur. Ich versuchte jeden Tag wirklich sehr zeitig aufzustehen, da in den frühen Morgenstunden bei den bekannten Sehenswürdigkeiten noch (fast) gar kein Andrang war. Es war zwar nicht jeden Tag gleich leicht sich teilweise schon vor Sonnenaufgang auf die Socken zu machen, aber die Eindrücke, die ich dadurch erhielt, waren den Schlafmangel definitiv wert! Leider waren die Öffnungszeiten gewisser Sehenswürdigkeiten im Internet falsch angegeben, sodass ich ein oder zwei Mal vor verschlossenen Türen stand und locker noch zu etwas mehr Schlaf hätte kommen können…

Putra Mosque

Ich fuhr einmal sogar etwas in den Süden von Kuala Lumpur, weil es dort eine pinke Moschee zu besichtigen gab, die ich mir unbedingt ansehen wollte. Ich kam erst am Nachmittag dort an, weil ich zwei verschiedene Züge und einem lokalen Bus nehmen musste und dies dauerte über zwei Stunden. Da es bereits etwas später war, war die Moschee sehr gut besucht, denn die außergewöhnliche Farbe der Moschee zieht natürlich sehr viele Besucher an. Obwohl ich diesen Moment mit sehr vielen anderen Touristen teilte, war es ein unvergesslicher für mich. Die Malereien im Inneren der Moschee waren zartrosa bis pink und waren einfach wunderschön. Ich habe nunmal einen Faible für pinke Gotteshäuser, denn ich war schließlich auch ganz aus dem Häuschen, als ich eine rosarote Kirche in Saigon entdecke!

Astaka Morocco

Danach spazierte ich zu einem Ort, den ich nur zufällig auf Google Maps entdeckt hatte und der sich unweit von der Putra Mosque, also der pinken Moschee entfernt befand. Der Ort nannte sich Astaka Morocco und ist ein Pavillon, der im marokkanischen Stil gehalten ist. Da ich noch nie zuvor in Marokko gewesen war, war diese Art von Architektur eine komplett neue für mich und es gefiel mir sehr gut. Der Pavillon war außerdem ein beliebtes Fotomotiv für Frischverliebte, denn als ich dort war, fanden gerade zwei Hochzeitsfotoshootings statt.

Batu Caves am frühen Morgen

Am Morgen darauf stand ich bereits vor Sonnenaufgang auf, um diesen bei den bekannten Batu Caves 13 Kilometer nördlich vom Zentrum Kuala Lumpur zu erleben. Bei den Batu Caves handelt es sich um eine etwas höher gelegene Höhle, in denen sich ein Tempel befindet. 272 Treppen verbinden den Boden und die Höhlen und sind mit verschiedenen Farben bemalt. Auch am Beginn der Treppen befindet sich ein bunter, hinduistischer Tempel, sodass die ganze Szenerie eine sehr schöne und farbenfrohe ist. Das frühe Aufstehen war es für mich total wert, denn die Batu Caves zählen als die Sehenswürdigkeit, die man unbedingt bei seinem Aufenthalt in Kuala Lumpur besuchen sollte, auch wenn man sich nur für ein paar Stunden in der Stadt aufhält.

Als die Tore zu den Batu Caves schließlich geöffnet wurden, war ich zwar nicht alleine, es war aber noch lange nicht überflutet mit anderen Touristen. Außerdem waren die Temperaturen noch mehr als ok. Wie ich bereits erwähnt habe, war es in Kuala Lumpur sehr, sehr warm, aber vormittags war es noch aushaltbar. Ich kam zwar beim Treppensteigen ins Schwitzen, aber später wäre das ein viel anstrengenderes Vorhaben für mich geworden.

Batu Caves

Den restlichen Tag verbrachte ich eher gemütlich und spazierte etwas durch die Stadt. In Kuala Lumpur sind nämlich viele Sehenswürdigkeiten und weitere Hotspots leicht zu Fuß erreichbar, wenn man irgendwo im Zentrum untergebracht ist. Außerdem kam mir die Stadt auch sehr „grün“ vor, nicht zuletzt, weil der Plastikkonsum nach und nach reduziert wird und es fast ausschließlich nur E-Busse gibt, aber auch aufgrund der vielen Parks, wo man den Großstadttrubel etwas entkommen kann. Einen dieser Parks besuchte ich auch an diesem Nachmittag: den KLCC Park Hier hatte ich inmitten der grünen Umgebung außerdem einen wunderbaren Ausblick auf das Wahrzeichen der Stadt schlechthin: den Petronas Twin Towers!

Hou Lu Tempel

Am nächsten Morgen stand ich wieder etwas früher auf, um den Hou Lu Tempel in den frühen Morgenstunden zu erleben. Ich erreichte den Tempel gerade, als dessen Tore geöffnet wurden, doch leider erreichten mit mir gemeinsam auch zwei Busse mit chinesischen Reisegruppen die Sehenswürdigkeit. Deswegen war im Tempel auch schon zu so frühen Morgenstunden auch dementsprechend viel los. Das tat der Pracht des Tempels, der mit seinen sechs Etagen übrigens einer der größten chinesischen Tempel in Südostasien ist, aber nicht viel ab. Über einen kleinen Innenhof waren dutzende Lampiongirlanden gespannt – das gab dem Gesamtbild noch einen ganz besonderen Charme.

Trotz der vielen Touristen gefiel es mir bei dem Tempel sehr gut und ich verweilte sogar mehrere Stunden dort. Ich erreichte den Tempel nämlich genau etwas nach Sonnenaufgang und konnte deswegen miterleben, wie der Innenhof des Tempels nach und nach mit dem warmen, morgendlichen Licht ausgefüllt wurde – ein sehr schönes Erlebnis. Sonnenauf- und Untergangszeit sind sowieso meine Lieblingszeiten vom ganzen Tag, vor allem hier auf meiner Reise. Nie sonst wird die ganze Umgebung in ein so harmonisch weiches Licht getüncht. Wenn man sich gerade an der Küste befindet, stellt zumindest der Sonnenuntergang sowieso normalerweise das Highlight des Tages dar!

Sultan Abdul Samad

Nach meinem Besuch beim Hou Lu Tempel spazierte ich wieder in Richtung Stadtzentrum und besuchte das Sultan Abdul Samad Building und den Merdeka Square, sowie die Jelan Moschee. All diese Gebäude befinden sich in unmittelbarer Nähe und zählen zu den ältesten Gebäuden der Stadt.

Es gab aber auch Tage, die ich ruhiger verbrachte, einfach nur herumschlenderte, oder einfach nur ein paar organisatorische Dinge erledigte. Wie ich bereits erwähnt habe, gefielen mir die Parks in Kuala Lumpur auch besonders gut. Wenn man diese betrat fühlte man sich nämlich wie mitten in der Wildnis und ganz weit weg von dem teilweise hektischen Großstadtalltag. Einer der ältesten Parks der Stadt befindet sich übrigens um den Fernsehturm und ist vor allem wegen seiner Hängebrücken, die sich durch einen Teil des Parks erstrecken.

Als ich eines morgens wieder etwas zeitiger aufstand, um eine Moschee zu besuchen, auf die ich mich insgeheim schon sehr gefreut hatte, passierten mir einige Missgeschicke… Ich erreichte die Moschee um 7:00 Uhr, da ich bei meiner Internetrecherche erfahren hatte, dass diese ab 6:30 Uhr geöffnet hatte. Ich hatte hierbei aber nicht berücksichtigt, dass diese Öffnungszeiten nur für Muslime gelten, die die Moschee zum Beten aufsuchen. Für Touristen wurde diese Moschee erst um 9:00 Uhr geöffnet. In den folgenden zwei Stunden besuchte ich also das Nationaldenkmal und den botanischen Garten. Bei letzterem sah ich dutzende Einheimische bei ihrer Morgensportroutine, bevor die Temperaturen wieder wärmer wurden.

Pünktlich um 9:00 Uhr war ich wieder bei der großen Moschee und durfte diese, nachdem ich mich angemessen bedeckt hatte, auch problemlos betreten. Ich sah mir diese also ausführlich an stellte fest, dass es sich hierbei nicht um die Moschee handelte, die ich eigentlich besuchten wollte… Ich wollte nämlich die Wilayah Moschee besuchen, die sich etwa vier Kilometer von der Nationalmoschee, in der ich zu diesem Zeitpunkt war, befand.

Als ich nun endlich bei dieser schönen Moschee ankam, von der ich zuvor schon einige Bilder im Internet gesehen hatte, war ich einfach nur sprachlos. Nicht war die Moschee einfach nur riesig, die Verzierungen und die Architektur waren schlichtweg beeindruckend! Nachdem ich mich auf eigene Faust etwas umgesehen hatte, schlenderte ich zum Haupteingang, wo gratis Führungen durch die Moschee angeboten wurde. Ich wurde von einer netten Dame herumgeführt, die sich sehr viel Zeit nahm, um mir vieles über die Geschichte der Moschee und den Werten des Islams näherzubringen.

Nach dieser spannenden Woche, buchte ich mir ein Busticket, das mich in sechs Stunden in den Stadtstaat Singapur bringen sollte…