Besorgte Anrufe und Textnachrichten erwarteten mich in Bangkok. Denn als ich dort ankam, wütete noch immer der Tropensturm Pabuk im Süden des Landes. Nachdem ich meinen Lieben zu Hause versichert hatte, dass es mir gut ginge, ich mich außerhalb der Gefahrenzone befände und ich versprochen hatte, nicht weiter südlich zu fahren, ehe der Sturm weitergezogen ist, war mir klar, dass ich jetzt wohl eine etwas längere Zeit in Bangkok verbringen würde. Ausmachen würde mir das sicher nichts, denn auch wenn viele Leute anderer Meinung sind, gefällt mir Bangkok immer noch sehr gut und das obwohl es sich hierbei schon um meinen vierten Besuch in dieser Stadt handelte.

Schlussendlich steckte ich fast eine Woche in der Hauptstadt Thailands mehr oder weniger fest. Das gab mir die Möglichkeit an meinem Blog weiterzuarbeiten und ausgedehntere Tagesausflüge in die Umgebung Bangkoks zu machen.

Im Zug, auf dem Weg zum Railway Market

Bei einem dieser Ausflüge ging es zum Mae Klong Railway Market. Dabei handelt es sich um einen Markt, der auf Zuggleisen stattfindet. Wenn der Zug durchfährt (das passiert vier Mal am Tag), werden die zum Verkauf angebotenen Waren in Windeseile zur Seite geräumt und die Dächer der Stände zurückgeschoben, sodass der Zug durchfahren kann. Der Railway Market ist weltweit als einer der ungewöhnlichsten und auch gefährlichsten Märkte bekannt. Natürlich wurde dieser über die Jahre auch zur Touristenattraktion und so drängen sich dutzende Menschen um die Gleise, wenn der Zug durchfährt.

Trotz der Popularität des Marktes habe ich eine Möglichkeit gefunden, diesen auf eine sehr „untouristische“ Art und Weise zu erleben. Ich fuhr nämlich von Bangkok aus genau mit dem Zug dorthin, der schlussendlich durch den Markt tuckert. Dafür musste ich früh aufstehen und mit einem öffentlichen Bus zu einem kleinen Bahnhof fahren. Von dort aus ging es eine Stunde lang mit einem Zug quer durch dschungelähnliches Dickicht und vorbei an malerischen Salzseen. Nach dieser Zugfahrt musste ich, nach einem kurzen Fußmarsch, einen Fluss mit einer Fähre überqueren und danach etwa zehn Minuten zu einem weiteren Bahnhof marschieren. Von dort aus fuhr der Zug ab, der nach etwa einer weiteren Stunde Zugfahrt durch den Railway Market fährt.

Ich setzte mich bewusst in das letzte Abteil des Zuges, da ich mir sicher war, dass ich von dort aus die beste Aussicht auf den Markt haben würde. Kurz vor der Ankunft beim Markt kam der Schaffner auf mich zu und bot mir an, mich ins Schaffnerabteil zu setzen, da ich von dort aus die beste Aussicht auf das Markttreiben haben würde. Das Angebot nahm ich natürlich dankend an und von dieser Kabine hatte ich tatsächlich einen einmaligen Blick auf das Geschehen. Sobald der Zug nämlich die Marktstände passiert hatte, wurden diese in Rekordzeit wieder aufgebaut und der Marktalltag nahm wieder seinen Lauf.

Marktstände werden wieder aufgebaut

Am Ende des Marktes befand sich auch die Endstation meiner Zugreise. Dabei handelt es sich um einen Endbahnhof, also war mir klar, dass der Zug wieder in dieselbe Richtung zurückfahren müsste, von der ich gekommen bin. Von dem Zeitplan am Bahnhof entnahm ich, dass der Zug in einer halben Stunde wieder zurückfahren würde, deswegen nutzte ich dieses Zeitfenster und suchte mir einen passenden Ort, um mir das Spektakel von den Gleisen aus anzusehen.

30 Minuten später ertönten einige Huptöne, Marktstände wurden rasch abgebaut und zur Seite geschoben und der Zug fuhr ein weiteres Mal durch den Markt. Von meinem Standpunkt aus sah ich, wie knapp der Zug tatsächlich an den ganzen Waren, die am Markt angeboten wurden, vorbeituckterte. Danach war ich echt froh, dass ich die längere Anreise gewählt hatte und dafür zwei verschiedene, einzigartige Einblicke in das Geschehen erhascht hatte.

In der Amphawa Village

Nachdem ich auch noch die Waren, die am Markt angeboten wurden genau inspiziert hatte, entschloss ich mich dazu mit einem Songthaew (so werden Pick-ups, die als Sammeltaxis umfunktioniert worden sind, genannt) in das nicht weit entfernte Dorf Amphawa zu fahren. Dort findet wochenends ein Floating Market in den schmalen Kanälen des Dorfes statt. Es war allerdings ein ganz normaler Wochentag, als ich das Dorf besuchte. Aus diesem Grund fand kein Markt statt und es war auch dementsprechend wenig los. Trotzdem genoss ich die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlte und blieb dort einige Stunden, wo ich durch die kleinen Gassen an den Kanälen schlenderte. Am späteren Nachmittag ging es für mich mit einem Minivan wieder zurück nach Bangkok.

Songthaew

In den nächsten Tagen besuchte ich eine Thaiboxing-Klasse, Chinatown, den Airplane Graveyard und den Golden Mount. Bei letzterem handelt es sich um eine Pagode, die etwas höher gelegen ist und von welcher aus man einen großartigen Ausblick über Bangkok hat. Außerdem machte ich noch einen weiteren Ausflug in Bangkoks Umgebung, diesmal sogar mit Übernachtung:

Ayutthaya

Bei diesem Ausflug ging es, wieder mit dem Zug, in die 80 Kilometer nördlich von Bangkok gelegene, ehemalige Königstadt Ayutthaya.

Ayutthaya Sunset Cruise

Ich erreichte Ayutthaya am späteren Nachmittag, gerade noch rechtzeitig, um an einer Bootstour zu einigen am Wasser gelegenen Tempeln teilzunehmen. Das abendliche Licht machte die Bootsfahrt zu einem besonderen Erlebnis und es war recht angenehm, dass die Gebetsstätten nicht zu überlaufen waren, obwohl diese Tour recht populär ist. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang ging es quer durch die Stadt zu Fuß zur Unterkunft. Dort konnte man sich Fahrräder ausborgen. Da ich sowieso vorhatte am nächsten Tag die Tempel mit dem Fahrrad zu erkunden, lieh ich mir gleich am Abend noch eines aus, um schneller zum Nachtmarkt in der Umgebung zu kommen. Bei den Nachtmärkten in Asien gibt es nämlich unter anderem immer ein großes Angebot an gutem, frischem und billigem Essen. Da kann es schon mal passieren, dass man sich komplett überisst, da man oft einfach alles probieren möchte und die Geldbörse dies auch ganz leicht zulässt. Nach dieser kulinarischen Exkursion ging es wieder zurück zur Unterkunft, denn der nächste Tag sollte ein anstrengender werden.

Schon früh morgens ging es mit dem Rad los, um die Tempel beziehungsweise die Ruinen von Ayutthaya zu besichtigen. Viel ist von der ehemaligen Königsstadt nicht mehr übergeblieben, denn der Großteil der Tempel wurde 1767 von den Burmesen bei einer Invasion zerstört. Nach dem Besuch bei den Tempeln von Angkor in Kambodscha am Beginn meiner Reise, waren diese spärlichen Überreste nicht so sehr beeindruckend für mich, aber ich war trotzdem froh diesen Ausflug in den „Norden“ gemacht zu haben.

Zurück nach Bangkok ging es am Nachmittag, wieder mit dem Zug. Diesmal war der Zug allerdings schwer überfüllt und ich gesellte mich zu einer thailändischen Schulklasse in einen Waggon, die sich die Zeit mit lautem Musizieren vertrieb.

Wieder in Bangkok angekommen, erfuhr ich, dass der Tropensturm nicht mehr sein Unwesen treibt und man nun wieder mit gutem Gewissen in den Süden fahren kann – in null Komma nichts war mein Busticket gebucht…