Meine nächste Destination? Ho-Chi-Minh-Stadt – man soll gewissen Sachen ja eine zweite Chance geben. Ich besuchte Ho-Chi-Minh-Stadt aber nur deshalb ein weiteres Mal, da ich dort am nächsten Tag eine Reisegruppe aus meiner ehemaligen Schule treffen und mich dieser für die kommenden acht Tage anschließen sollte.

Ich erreichte die Stadt allerdings schon einen Tag früher als die Schüler und stellte fest, dass mir sie bei meinem zweiten Besuch gleich viel besser gefiel. Das laute Getümmel auf den Straßen fiel mir weniger negativ auf und ich war vor allem über die Wärme erfreut, da es in Đà Lạt ziemlich kalt war.

Tân Định Kirche

Ich nutzte den freien Tag ausgiebig, indem ich Saigon, so wurde die Stadt nämlich früher genannt, zu Fuß erkundete. Dabei sah ich mir das Fito-Museum an, wo ich über die traditionelle vietnamesische Medizin informiert wurde, bewunderte die Tân Định Kirche (mein absolutes Highlight des Tages, habe noch nie davor so eine süße, rosarote Kirche gesehen), marschierte durch zahlreiche kleine Gassen und lies den Abend mit einem Cocktail über den Dächern der Stadt in der Skybar ausklingen.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf zu einem Hotel, wo ich mich mit der Gruppe treffen sollte. Ich war echt gespannt, wie es denn sein würde nach einem Monat des alleine-reisens als Teil einer Reisegruppe weiterzureisen…

Um ehrlich zu sein war es in den ersten Tagen echt ungewohnt und irgendwie komisch die ganze Zeit von Leuten umgeben zu sein, kaum Zeit für mich selbst zu haben, nichts planen zu müssen, einem Tourguide zu folgen und vor allem in meinem Kärntner Dialekt zu reden. Letzteres empfand ich allerdings als sehr positiv, da ich mit anderen Reisenden bis jetzt immer nur Englisch oder Hochdeutsch geredet habe. Auf Österreicher bin ich nämlich bis dahin noch nicht getroffen und deswegen war es echt angenehm für mich mal wieder „normal“ zu reden, zumindest für ein paar Tage lang.

Post Office & Notre Dame

Den restlichen Tag machten wir eine Sightseeing-Tour durch Ho-Chi-Minh-Stadt, wo wir unter anderem auch die berühmte Post-Office, den Wiedervereinigungspalast und die Notre Dame Kathedrale von Saigon besichtigten. Am Tag darauf ging es schon früh los, denn wir wurden in einem Bus ins Mekong-Delta chauffiert. Dort schipperten wir eine Zeit lang den Mekong entlang und besuchten einige Manufakturen, bevor wir durch kleinere Kanäle zu unserem Homestay gebracht wurden. Am späteren Nachmittag hätte ich eigentlich noch mit ein paar anderen Schülern fischen gehen sollen, allerdings machte uns das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung. Dafür durften wir am Abend bei einer Cooking-Class teilnehmen, wo wir uns ein typisch vietnamesisches Abendessen selbst zubereiteten.

Bootsfahrt im Mekong Delta

Am nächsten Morgen ging es mit kleineren Ruderbooten zurück zum Hauptarm des Flusses, wo ein größeres Boot auf uns wartete. Zum Abschluss unserer Mekong-Delta-Tour gab es noch die Möglichkeit einen typischen Markt in dem Ort Vinh Long zu besuchen.

Vinh Long Riverside

Ich zog es allerdings vor in dieser Zeit etwas abseits der vielen Menschen, die sich in der Marktgegend befanden, an der ruhigen Riverside entlang zu spazieren. Dort kam ich an vielen typisch vietnamesischen Häuschen vorbei und war dort in einem eher weniger touristischen Bereich gelandet, da die Vietnamesen sehr erstaunt und erfreut über mein westliches Aussehen waren. Danach ging es wieder zurück nach Ho-Chi-Minh-Stadt, von wo aus es am nächsten Tag weiter in den Norden, in die Stadt Hội An gehen sollte.

Flug nach Hội An

Bevor es jedoch dorthin ging, sahen wir uns noch die Chu Chi Tunnel, die sich etwas außerhalb Saigons befinden, an. Dabei handelt es sich um ein Tunnelsystem, in welchem sich die Vietnamesen während des Krieges versteckt hielten. Nach einer Führung durch das Gelände und einer kurzen Kriecherei durch die beängstigend schmalen Tunnelgänge fuhren wir zum Flughafen. Von dort aus folgen wir etwa eineinhalb Stunden in die 600 Kilometer entfernte Stadt Đà Nẵng. Nach einer weiteren 45-minütigen Busfahrt erreichten wir Unterkunft in Hội An am späteren Abend. Da unsere Unterkunft nicht direkt im Stadtzentrum lag, erkundeten wir die Stadt noch nicht, sondern aßen nur in einem Lokal neben unserem Hotel zu Abend.

Am nächsten Morgen starteten wir eine Radtour, um uns die Umgebung etwas genauer anzusehen. Die Route verlief durch malerische Reisfelder, blühendem Lotus, Tempelanlagen und vorbei an mehreren (verendeten) Ratten auf der Straße. Als Endstation der Tour entpuppte sich eine Gemüsefarm. Dort legten wir uns traditionelles Bauerngewand an, wobei der Reishut natürlich nicht fehlen durfte. Bloßfüßig ging unsere Gruppe zu unserem Übungsfeld, wo wir umgruben, einpflanzten und anschließend alles gründlich bewässerten. Danach gab es noch ein teilweise selbst gekochtes Mittagessen, bevor es wieder zurück zur Unterkunft ging. Dieser letzte Stopp hat mich persönlich nicht beeindruckt, da die ganze Farm sehr touristisch ausgelegt und meiner Meinung nach überhaupt nicht authentisch war.

Am Nachmittag ging es dann endlich in das Stadtzentrum von Hội An. Darauf freute ich mich schon sehr, da ich von vielen Seiten zuvor gehört hatte, dass die Stadt einen ganz besonderen Charme haben sollte und ich wurde nicht enttäuscht! Zwar befanden sich echt viele Touristen im Stadtzentrum, da an diesem Abend ein Lichterfest stattfinden sollte, aber das tat der Stimmung nichts ab. Überall hingen Lampions und Girlanden und viele Häuser hatten eine gelbe Fassade, wodurch mir das ganze Straßenbild als sehr warm und einladend erschien. Umso mehr bedauerte ich es, dass es am nächsten Morgen schon weiter nach Hanoi gehen sollte. Daher versuchte ich in der kurzen Zeit in Hội An so viel wie möglich nur aufzunehmen, da es mir dort echt sehr gut gefiel.

Nach einem eineinhalbstündigen Flug erreichten wir Vietnams Hanoi am nächsten Vormittag. Dort bezogen wir zuerst unsere Unterkunft, besuchten ein Museum und flanierten abends noch im Altstadtviertel den See und den Nachtmarkt entlang. Dort schloss ich mich mit ein paar anderen Schülern zusammen, denn wir hatten die Aufgabe ein Weihnachtsgeschenk für unseren Wichtel zu besorgen, was sich als lustiger Zeitvertreib für den restlichen Abend herausstellte.

Halong Bay

Am Weihnachtsmorgen fuhren wir vier Stunden lang in die berühmte Halong Bay, die Bucht, die durch die atemberaubenden Kalksteinfelsen, die aus dem Wasser ragen bekannt ist und 1994 UNESCO Weltnaturerbe erklärt wurde. Dort angekommen wurden wir mit einem kleinen Zubringerboot zu unserem zu Hause für die nächsten zwei Tage gebracht – einem kleineren Kreuzfahrtschiff, auf dem wir die kommende Zeit durch die Bucht gebracht werden sollten. Die Aussicht war meiner Meinung nach echt sehr schön, da ich ja grundsätzlich ein großer Fan von dem Aussehen von Kalksteinfelsen/Gebirgen bin. Später fuhren wir auch noch mit Kajaks durch das Wasser, um uns die umliegenden Caves anzusehen und um baden zu gehen. Für letzteres war es mir allerdings etwas zu frisch, da es im hier im Norden Vietnams schon beträchtlich abgekühlt hat. Zu Weihnachten hatte es nur 15 Grad, ein richtiger Temperaturschock für mich, da es an den Orten, an denen ich mich zuvor aufhielt mindestens 27 Grad hatte.

Abends wurde es ein großes Christmas-Dinner an Deck des Schiffes serviert, das trotz der niedrigen Temperaturen von allen sehr genossen wurde. Anschließend traf sich die ganze Reisegruppe und es wurden die Weihnachtsgeschenke, die wir tags zuvor besorgt haben, unter den Christbaum gelegt. Nachdem wir ein paar Weihnachtslieder gesungen hatten, wurden nach und nach die Weihnachtsgeschenke ausgeteilt und man musste erraten, von wem man denn beschenkt wurde. Es war sehr nett, da sich wirklich jeder Gedanken gemacht hat, was dem anderen eine Freude bereiten könnte. Auch viele Geschenksverpackungen, die aus Zeitungspapier und Co. gebastelt wurden, waren sehr originell. Anschließend nahmen wir noch bei einigen Challenges und Spielen teil, die die Organisatoren der Schiffsfahrt leiteten.

Durch das zahlreiche Programm musste ich nicht ganz so schweren Herzens an die Heimat denken, denn Weihnachten ist für mich immer eine besondere Zeit im Jahr, die ich am liebsten im Kreise meiner Familie verbringe. Umso mehr freute es mich, dass ich diese Zeit mit den Schülern verbringen konnte. Schließlich saßen wir alle (im wahrsten Sinne des Wortes) im selben Boot, jeder vermisste sein zu Hause ein bisschen, also machten wir das Beste daraus und verbrachten noch einen schönen Abend zusammen, den wir in den warmen Schiffskajüten ausklingen ließen.

Am nächsten Tag startete die Reise durch die Bucht zurück zum Festland. Der Christtag verlief etwas gemütlicher. Wir fuhren lediglich wieder vier Stunden lang zurück nach Hanoi und hatten ansonsten keine fixen Programmpunkte mehr. Das war auch ziemlich angenehm, da der Weihnachtsabend doch etwas länger gedauert und für manche sogar mit einer etwas frischeren Übernachtung unter klarem Sternenhimmel geendet hat.

Dieser Tag war auch schon mein letzter mit der Schülergruppe, deshalb buchte ich mir in Hanoi gleich ein Busticket nach Sa Pa, einem Dorf, das ziemlich nördlich, nahe an der chinesischen Grenze gelegen ist. Ganz wohl war mir bei dem Gedanken wieder alleine weiterzureisen aber nicht. Klar war es zu Beginn der Vietnamtour mit den Schülern total ungewohnt für mich auf einmal Teil einer Gruppe zu sein, doch daran gewöhnte ich mich schon nach kurzer Zeit. Auch wenn ich davor kaum einen von den Schülern gekannt hatte, lernte ich alle rasch kennen und fühlte mich auch schnell als Teil der Gruppe. Die Zeit mit ihnen war echt toll und ich bin echt froh, dass ich überall mit dabei sein durfte.

An dieser Stelle nochmal ein großes Danke für die schöne Zeit mit euch, ich denke gerne daran zurück und wünsche euch viel Spaß weiterhin in der Schule! 😉