Schon früh morgens ging es für mich nach Sa Pa. Davor konnte ich mich noch ein letztes Mal beim großen, leckeren Frühstücksbuffet im Hotel bedienen, bevor ich zur Busstation gebracht wurde und mich wieder dem low-budget-Backpackerlebensstil anpassen musste. Während der Busfahrt konnte ich glücklicherweise fast durchgehend schlafen, denn in der Nacht zuvor kam ich nicht zu sonderlich viel Schlaf.

Sa Pa village

In Sa Pa angekommen machte ich mich zu Fuß auf zu meiner Unterkunft und war dort fast wie etwas vor den Kopf geschlagen, da ich nun wieder alles selbst organisieren musste und vor allem wieder allein war. Das war im ersten Moment etwas ungewöhnlich für mich. Das Gefühl hielt aber nicht lange an und schon kurze Zeit später machte ich mich auf eine selbsterstellte Trekking-Tour zu einem anderen Dorf auf. Sa Pa ist nämlich besonders als Wanderdestination bekannt. Reisplantagen, Hügel, Täler und auch der höchste Berg Indochinas finden sich in dieser Gegend. Es gibt die Möglichkeit eine mehrtägige Wanderung mit einem Guide zu machen, abends bei Homestays in kleinen Dörfern zu übernachten und das wollte ich ursprünglich auch machen. Allerdings war schon bald schlechtes Wetter angesagt und da ich nicht unbedingt im Regen durch Sa Pas Umgebung stapfen wollte, entschied ich mich dafür den restlichen Nachmittag alleine eine kürzere Distanz und am nächsten Morgen mit einer Gruppe zu trekken.

Den ersten Trek machte ich allein zu einem anderen kleinen Dorf in der Nähe von Sa Pa und am nächsten Tag marschierte ich mit einer Gruppe quer durch Reisplantagen und bewaldete Gegenden.  Ich muss aber zugeben, dass ich diese Treks nicht unbedingt fordernd fand, aber trotzdem war es schön durch die Umgebung zu Fuß zu erkunden. Auch wenn mir im Norden Vietnams echt sehr kalt war (das werde ich noch oft genug erwähnen), hatte ich in Sa Pa Glück mit dem Wetter und es war während der Trekkingtouren immer angenehm warm. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet und so zog ich mir einen ziemlich miesen Sonnenbrand im Gesicht zu…

Nach zwei wanderlustigen Tagen in Sa Pa zog es mich wieder zurück in die Hauptstadt Hanoi, wo ich einige Tage verbrachte. Dort hielt ich mich hauptsächlich im Altstadtviertel auf und mochte die Stadt nach einiger Zeit echt gerne. Obwohl Hanoi um einiges kleiner, unmoderner und dreckiger ist als Ho-Chi-Minh-Stadt, hat die Stadt meiner Meinung nach einen ganz eigenen Charme. Auffallend viele Gebäude sind gelb angestrichen (und in sehr schlechtem Zustand) – das machte das Stadtbild irgendwie besonders. Auch wenn sich natürlich auch viele Touristen in der Hauptstadt befinden, hatte ich das Gefühl auch von dem realen Leben der Vietnamesen etwas mitzubekommen. Kurz gesagt – die Stadt war für mich einfach authentisch. Zwar laut, dreckig und ein kleines bisschen heruntergekommen, aber authentisch. Obwohl es mir in Hanoi echt gut gefiel, ging es mir persönlich in den letzten Tagen des Jahres nicht so gut, denn ich fühlte mich mehr und mehr einsam. Mir fiel es in dieser Zeit nicht so leicht neue Leute kennenzulernen und das schlechtere und kältere Wetter schlug auch etwas auf meine Stimmung. Dass dieses Gefühl nach einiger Zeit mal kommen würde, war mir schon im Vorhinein klar und deswegen versuchte ich mich abzulenken so gut es nur ging, um auf andere Gedanken zu kommen.

Train Street Hanoi

Silvester verbachte ich auf einer Privatinsel in der Halong Bucht. Von meinem Hostel in Hanoi wurde dorthin nämlich eine dreitägige Tour angeboten. Es war wunderschön dort, allerdings war ich drei Tage lang wirklich von der Außenwelt abgeschottet, denn Empfang oder Wlan gab es nicht. Das trug aber viel Positives zur Sache bei, denn so war es viel leichter mit neuen Leuten in Kontakt zu treten, da man sich mal wirklich auf das Gegenüber konzentrierte und nicht anderswertig abgelenkt war. Die drei Tage waren echt schön auch wenn es sehr sehr kalt war. Die Unterkünfte waren einfache Bambushütten, wo im Grunde keine Wärme gespeichert wurde und eine Heizung gab es natürlich auch nicht. Doch ich hatte vorgesorgt und mir noch in Hanoi einen neuen Pullover und einen Sweater zugelegt. Tagsüber trug ich mehrere Schichten: zwei Hosen und mindestens drei Oberteile. Den Pullover hatte ich bewusst in der Größe XXL gekauft, damit ich diesen über all die Schichten, die ich bereits anhatte, anziehen konnte. Während der Zeit in der Bucht machten wir wieder eine Schiffsfahrt und verbrachten viel Zeit auf der Insel, aber fad wurde mir dort nicht. Zu Silvester wurde der Countdown gezählt und danach ein frohes neues Jahr gewünscht. Es war echt interessant, den Jahreswechsel mal etwas anders zu erleben!

Nach einer weiteren Nacht in Hanoi fuhr ich vier Stunden lang mit einem Minivan nach Ninh Bính, eine Provinz mit der gleichnamigen Stadt, die sich etwa 100 Kilometer südlich von Hanoi befindet. Mein Hostel zu finden stellte sich dort als mühsame Prozedur heraus, denn die Unterkunft war auf meiner Offline-Kartenapp falsch eingezeichnet und deshalb suchte ich in einer komplett falschen Gegend nach meiner Unterkunft. Nachdem ich nach einer Stunde auf-und-a-marschieren (und einigen falschen Richtungsweisungen von Locals) noch immer nicht fündig wurde, zeigte ich einem Taxifahrer die Adresse. Dieser fand heraus, dass es sich um einen Fehler bei der Adresse handelte, telefonierte mit dem Eigentümer der Unterkunft und brachte mich in null Komma nichts dorthin.

Nach diesem etwas holprigen Start borgte ich mir ein Motorrad aus und machte mich auf, um die Gegend zu erkunden. Der Herr, bei dem ich das Motorrad mietete, war sogar so nett und schenkte mir Handschuhe, da er es mir anscheinend ansah, dass mir auch hier sehr kalt war. Die Provinz Ninh Bính wird übrigens auch die trockene Halong Bucht genannt, da sich dort ebenfalls malerische Karstgebirge in die Höhe strecken, nur dass sich diese nicht am Wasser, sondern an Land befinden. Mein Plan war es mit dem Motorrad die bekannten Mua Caves zu besichtigen. Dabei handelt es sich um einen Aussichtspunkt von welchem man einen schönen Ausblick auf die trockene Halong Bucht haben sollte. Über 400 Stufen und einige Verschnaufspausen später war ich oben angelangt und kam ziemlich ins Staunen. Der Ausblick war echt unglaublich schön und man sah echt sehr viel von der Umgebung. Ich ließ mir viel Zeit und erst als es dämmerte machte ich mich wieder auf den Weg nach unten.

Mua Caves

Nach diesem etwas holprigen Start borgte ich mir ein Motorrad aus und machte mich auf, um die Gegend zu erkunden. Der Herr, bei dem ich das Motorrad mietete, war sogar so nett und schenkte mir Handschuhe, da er es mir anscheinend ansah, dass mir auch hier sehr kalt war. Die Provinz Ninh Bính wird übrigens auch die trockene Halong Bucht genannt, da sich dort ebenfalls malerische Karstgebirge in die Höhe strecken, nur dass sich diese nicht am Wasser, sondern an Land befinden. Mein Plan war es mit dem Motorrad die bekannten Mua Caves zu besichtigen. Dabei handelt es sich um einen Aussichtspunkt von welchem man einen schönen Ausblick auf die trockene Halong Bucht haben sollte. Über 400 Stufen und einige Verschnaufspausen später war ich oben angelangt und kam ziemlich ins Staunen. Der Ausblick war echt unglaublich schön und man sah echt sehr viel von der Umgebung. Ich ließ mir viel Zeit und erst als es dämmerte machte ich mich wieder auf den Weg nach unten.

Bootsfahrt in Ninh Bính

Am nächsten Morgen machte ich mich nach Trang An auf, einer Ortschaft außerhalb der Stadt Ninh Bính auf. Dort machte ich eine dreistündige Bootsfahrt durch die Gegend. Es war kalt, aber extremst ruhig und natürlich wunderschön. Das war generell etwas sehr Auffallendes in Ninh Bính für mich: Natürlich befinden sich auch einige Touristen hier, doch war dies der Ort, der im Vietnam am wenigsten überlaufen war, als ich dort war. Von Hanoi aus werden zwar einige Tagestouren nach Ninh Bính angeboten, deswegen ist zu Mittag wohl einiges los, aber morgens und abends trifft man eher auf weniger Touristen.

Nach der Bootstour fuhr ich weiter nach Hua Lu, der ehemaligen Hauptstadt Vietnams. Diese wurde aber 1000 vollends zerstört und deswegen befindet sich nur noch ein Denkmal dort, das man besuchen kann. Danach fuhr ich gen Westen, um den perfekten Ort für den Sonnenuntergang zu finden. Nach langer Suche fand ich schließlich einen großartigen Aussichtspunkt, von welchem aus ich den Sonnenuntergang vor einer atemberaubend schönen Kulisse bewundern konnte und spätestens an diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich meine Lieblingsdestination im Vietnam gefunden hatte…

Am Tag darauf ging es in nur eineinhalb Stunden zurück nach Hanoi. Dort verbrachte ich noch eineinhalb Tage, in denen ich wieder viel Zeit im Altstadtviertel verbrachte, aber auch ein paar Sightseeingspots wie zum Beispiel den Literaturtempel und das Ho-Chi-Minh-Mausoleum besuchte.

Daraufhin verabschiedete ich mich von dem kalten, aber so schönen Vietnam. Das machte ich am internationalen Flughafen in Hanoi kurz bevor ich abhob und in einer mir gut bekannten, wärmeren Stadt landen sollte.