Um zu den kambodschanischen Inseln zu gelangen, musste ich mich zuerst sechs Stunden lang in einen dezent überfüllten Minivan quetschen, der mich zum Hafen in der Stadt Sihanoukville brachte. Am Hafen angekommen ging es direkt auf die Fähre, die mich binnen kürzester Zeit auf die Insel Koh Rong brachte. Diese Insel zählt zu den wohl bekanntesten in Kambodscha und ist vor allem für seine weißen, paradiesischen Strände und das Nachtleben bekannt. In den kommenden Tagen sollte ich diese beiden Seiten der Insel gut kennenlernen.

Früchte auf Ko Rong

Ursprünglich hatte geplant nur drei Tage auf Koh Rong zu bleiben, doch ich verbrachte im Endeffekt eine ganze Woche dort. Warum? Es war für mich einfach ein ganz besonderer Ort zum Ausspannen, was ich dringend einmal nötig hatte. Man denkt zwar immer, dass man, wenn man auf Reisen ist, nur eine tolle entspannte Zeit hat, weil man die ganze Zeit eigentlich nichts tut. Doch manchmal ist genau das Gegenteil der Fall: Reisen kann manchmal auch ganz schön stressig sein. Deswegen genoss ich die entspannte Zeit auf der Insel sehr. Ich erkundete jeden Tag einen anderen Strand, war so gut wie gar nicht auf Social Media aktiv und ernährte mich zum größten Teil von Früchten. Auch abends war ich programmtechnisch gut versorgt, denn ich lernte auf den verschiedenen Veranstaltungen auf der Insel viele nette Leute kennen, mit denen ich eine tolle Zeit verbrachte.

Nach dieser entspannten Zeit auf Koh Rong fuhr ich mit einem Speed Boot zur etwa zehn Kilometer entfernten kleineren Insel Koh Rong Samloem. Diese war um einiges unberührter und verlassener als Koh Rong. Mir fiel es dort etwas schwerer neue Leute kennenzulernen, da diese Insel eher von Pärchen und Familien besucht wurde und ein wirklich sehr ruhiger Ort war. Nachdem ich auf der vorherigen Insel bereits ausgiebig entspannt hatte, war mir auf Koh Rong Samloem direkt fad, weshalb ich nach nur einem Tag beschloss  wieder zu fahren. An diesem einem Tag besuchte ich aber natürlich noch einen der schönsten Strände der Insel und ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen!

Am nächsten Vormittag ging es mit der Fähre zurück ans Festland, wo ich mir auch gleich ein Busticket nach Kampot buchte. Diese Stadt stand eigentlich nicht auf meinem ursprünglichen Reiseplan, doch ich habe während meiner Reise so viel Positives über dieses kleine Städtchen gehört, sodass ich diesen Ort auf jeden Fall besichtigen wollte.

Die Busfahrt dorthin war allerdings alles andere als angenehm. Für eine Distanz von 95 Kilometern brauchten wir vier Stunden und die Straßen, auf denen wir nur langsam vorankamen, waren nicht asphaltiert, aber dafür mit vielen Schlaglöchern versehen. Endlich in Kampot angekommen, spazierte ich von der Bushaltestelle zu Fuß etwa eine halbe Stunde zu meiner Unterkunft und konnte mir dabei die Stadt schon ein kleines bisschen ansehen. Mein erster Eindruck: Ich konnte es kaum fassen, wie ruhig es in diesem Ort war. Kampot zählt immerhin stolze 50.000 Einwohner, doch von dem stressigen, lauten, asiatischen Leben und Verkehr spürte man in dieser Stadt gar nichts – das war echt sehr überraschend für mich. Obwohl mir bereits vorher schon gesagt wurde, dass es sich bei Kampot um ein sehr friedliches Plätzchen handelte, habe ich mit so viel Ruhe nicht gerechnet.

Am nächsten Morgen mietete ich mir ein Motorrad, um mir die Umgebung etwas genauer anzusehen und landete schließlich in Kep, einem kleinen Fischerdörfchen nur 30 Kilometer östlich von Kampot. Dort besuchte ich den lokalen „Crabmarket“, bei dem, wie der Name einem bereits verrät, hauptsächlich Meeresfrüchte und vor allem Krabben zum Verkauf angeboten werden. Danach ging es weiter zu einer Pfeffer-Farm, wo ich zum ersten Mal sah, wie Pfeffer tatsächlich angebaut wird. Kampot ist für seinen Pfeffer nämlich sehr bekannt. Für die Führung war ich leider ein kleines bisschen zu spät, sodass ich nur kurz selbstständig durch die Plantagen schlenderte. Erst nach Anbruch der Dämmerung machte ich mich wieder auf den Weg nach Kampot, wobei ich davor noch einen Abstecher bei den Salzfeldern in der Umgebung machte und den Sonnenuntergang von dort aus betrachtete.

Bokor Nationalpark

Der darauffolgende Tag begann etwas früher für mich, da ich mich einer Tour anschloss, die den Bokor Nationalpark, der sich um einen Berg erstreckt, besuchte. Es war ein warmer Tag und deswegen war es echt fein, diesen in der Höhe bei etwas niedrigeren Temperaturen zu verbringen. Zur französischen Kolonialzeit wurde dieser Berg von den Franzosen als Ort für Sommerfrische benutzt. Deswegen kann man heute noch zahlreiche Bauten aus dieser Zeit bestaunen, aber auch Tempel und große Buddhastatuen finden sich in dem Areal wieder. Besonders gut gefielen mir die vielen Aussichtspunkte, von denen aus man sogar Orte im Vietnam erblicken konnte.

Bokor Nationalpark

Nachdem ich so ziemlich den ganzen Tag auf dem Berg verbracht und viel über die Geschichte gelernt hatte, ging es wieder zurück nach Kampot, wo ich eine Schifffahrt am Mekong machte. Diese war bei der Bokor Nationalpark Tour inkludiert und wurde groß als fantastische Sunset-Tour, bei welcher man später sogar Glühwürmchen zu Gesicht bekommen sollte, angepriesen. Vom Sonnenuntergang sah ich leider nicht besonders viel, da es sehr bewölkt war und die Glühwürmchen erinnerten mich eher an eine Lichterkette mit Wackelkontakt. Trotzdem war es schön wieder mal den Mekong entlangzuschippern.

Dies war mein letzter Abend in Kambodscha und am nächsten Tag sollte es weiter in den Vietnam gehen…