Am nächsten Morgen ging es acht Stunden lang mit dem Malioboro-Expresszug in die rund 400 Kilometer entfernte Stadt Malang. Die Züge in Indonesien übertrafen meine Erwartungen voll und ganz! Die Sitze waren sehr bequem, die Waggons und die sanitären Anlagen sehr sauber und es befanden sich sogar Steckdosen bei den Sitzen. Aufgrund dieser Gegebenheiten vergingen die acht Stunden wie im Flug. Ich befand mich übrigens während der Nebensaison, beziehungsweise der Regenzeit in Indonesien. Obwohl ich nicht damit gerechnet hatte, hatte dies tatsächlich einige Vorteile: Es waren deutlich weniger Touristen unterwegs und die Reisfelder, die ich während meiner Zugfahrt durchquerte waren in einem satten grün gehalten.

Jodipan - Rainbow Village

In Malang spazierte ich durch die Rainbow-Village – dabei handelt es sich um eine ehemalige Slumgegend, die von Schülern mit bunten Farben bemalt wurde, um Touristen anzulocken. Dieses Vorhaben ging voll und ganz auf, denn heute ist diese sehr gut besucht!

Tumpak Sewu Wasserfall

Am selben Tag schwang ich mich außerdem zwei Stunden lang auf ein Motorrad, um zu dem wohl atemberaubendsten Wasserfall zu gelangen, den ich jemals gesehen habe! Um zu dem Wasserfall zu gelangen, musste man unzählige Leitern hinunterklettern, die eine TÜV-Prüfung sicher nicht positiv bestanden hätten. Dennoch war es den Abstieg wert, denn auch am Fuße des Wasserfalles war die Aussicht einfach spektakulär!

Regenponcho regelt

Als ich mich am Weg zurück nach Malang befand, begann es leider sehr stark zu regnen, so wie es in der Regenzeit am Nachmittag üblich ist. Wie die meisten Einheimischen war ich aber schon darauf vorbereitet, zog mir meinen Einweg-Regenponcho an und fuhr (in einem beträchtlich langsameren Tempo) weiter. Am selben Abend organisierte ich mir noch einen Transfer zum Mount Bromo, einem der vielen aktiven Vulkane Indonesiens.

Bromo Village

Die Fahrt zum Vulkan startete am nächsten Vormittag und dauerte etwa sechs Stunden. In Malang hatte ich zwei Briten kennengelernt, die mich die nächsten paar Tage begleiten sollten. Zusammen konnten wir uns nämlich die Fahrt- und Unterkunftskosten aufteilen. Wir erreichten das Dorf, das am Fuße des Vulkans gelegen ist am Nachmittag und beschlossen uns die Gegend noch etwas anzusehen. Wir gingen einfach „auf Gut Glück“ los und standen zwei Stunden später tatsächlich am Krater des Vulkans.

Dieses Erlebnis lässt sich kaum in Worte fassen, denn wir waren komplett allein am Vulkan. Um den Vulkan herum befindet sich eine schwarze Sandsteppe, die von grünen Hügeln umringt ist. Die Landschaft war einfach traumhaft schön. Wir waren sehr überrascht über die Tatsache, dass sich weit und breit keine Menschenseele aufhielt und wir diese schöne Naturgegebenheit ganz für uns hatten!

Bromo Krater

Am nächsten Morgen, beziehungsweise um 3:30 Uhr in der Nacht, standen wir auf, um den Sonnenaufgang mit dem Vulkan im Hintergrund von einem Aussichtspunkt aus anzusehen. Leider war es an diesem Tag sehr bewölkt, deswegen sah man von der aufgehenden Sonne eher weniger, aber trotzdem war die Nacht/Dämmerungswanderung dorthin zwar anstrengend, aber trotzdem eine tolle Erfahrung.

Nach diesem etwas weniger spektakulären Start in den Morgen gingen wir noch ein weiteres Mal zum Krater des Vulkans. Dieses Mal erkannten wir die Gegend aber kaum wieder: In der Steppe reihten sich dutzende Jeeps aneinander, die organisierte Reisegruppen zum Vulkan brachten. Obwohl es Nebensaison war, befanden sich sehr viele Touristen am Fuße des Vulkans und natürlich auch am Krater. Es war zwar toll, den Vulkan noch ein weiteres Mal zu besteigen, das Erlebnis am Tag zuvor war jedoch viel beeindruckender für mich.

Nachmittags ging es mit Bus und einem (unklimatiserten) Minivan innerhalb von sieben Stunden in die 160 Kilometer entfernte Stadt Banyuwangi. Dies sollte vorerst mein letzter Stopp auf Java sein, bevor es mit der Fähre weiter auf Bali ging.

Hier schliefen wir wieder nur für ein paar Stunden in einem Homestay, denn der Wecker klingelte diesmal bereits um 1:00 Uhr. Auch an diesem Tag stand wieder eine Nachtwanderung zu einem Vulkan auf dem Programm. Die Stadt Banyuwangi befindet sich nämlich unweit von dem ebenfalls aktiven Vulkan Ijen, der auch gut und gerne besucht wird. Bei diesem Vulkan kann man tatsächlich hinunter in den Krater steigen und dort ein Naturschauspiel, genannt blue fire zu Gesicht bekommen. Das blue fire ist allerdings nur vor Sonnenaufgang sichtbar, deswegen starteten wir bereits so früh. Die Wanderung zum Krater dauerte etwa zwei Stunden und war teilweise ganz schön anstrengend. Am Krater angekommen, musste man Gasmasken aufsetzen, bevor man den Abstieg in den Krater wagen durfte.

Das blue fire war zwar interessant, aber ich hätte dafür jetzt nicht unbedingt so früh aufstehen müssen. Außerdem hatte ich im Krater trotz Gasmaske ziemliche Atembeschwerden, was das Erlebnis nicht unbedingt zu einem herausragenden gestaltete. Wieder „oben“ angekommen erblickte ich auch ein Schild, das in der nächtlichen Dunkelheit nicht ersichtlich war. Dieses wies im Grunde darauf hin, dass es einem aufgrund der toxischen Gase im Krater dringendst abgeraten wird, den Abstieg zu wagen – diese Info kam wohl etwas zu spät.

Trotz dieser etwas atemberaubenden (diesmal nicht im positiven Sinne) Erfahrung, war die Aussicht vom Vulkan aus unbeschreiblich schön. Nachdem wir uns noch etwas umgesehen und uns den Sonnenaufgang angesehen hatten, machten wir uns auch schon wieder zum Abstieg bereit. Nach einem kurzen Stopp beim Homestay, wo wir schleunigst unser Gepäck reisefertig machten, holte uns ein Minivan ab, der uns nach Bali bringen, wo sich unser Dreiergespann wieder auflösen sollte.

Die Fahrt dauerte insgesamt über sechs Stunden, in denen wir zu Beginn mit der Autofähre von Java nach Bali übersetzten. Auffallend war, dass die Straßen auf Bali in einem viel besseren Zustand waren als auf Java und der Verkehr auch um einiges gediegener war.

Ich verbrachte die kommenden zehn Tage in Canggu, einer Surfstadt im Süden der Insel. Ich kam in meiner Unterkunft erst am späteren Abend an und war aufgrund der vergangenen zwei anstrengenden Tage, in denen ich zu sehr wenig Schlaf gekommen bin, sehr müde. Als ich einchecken wollte, bemerkte ich, dass die Unterkunft fast etwas ausgestorben wirkte, denn es lies sich keine Menschenseele blicken. Irgendwann tauchte ein Mitarbeiter der Unterkunft auf und fragte mich, ob ich wirklich für die nächsten paar Nächte hierbleiben möchte, denn würden spätestens am nächsten Morgen die restlichen Überbleibenden, die bis jetzt im Hostel übernachteten auschecken.

Über den Grund dieser Ungewöhnlichkeit wusste ich bereits im Vorhinein Bescheid, aber mir war nicht bewusst, wie ernst es wirklich genommen wurde: Zwei Tage nach meiner Ankunft wurde das balinesiche Neujahr, der höchste hinduistische Feiertag auf Bali, Nyepi, zelebriert. Dieser Tag wird auch Silent Day genannt, denn die ganze Insel wird für 24 Stunden stillgelegt. Den Tag verbringen die gläubigen Hindus mit meditieren und fasten, denn es darf weder Feuer gemacht werden (also nicht gekocht werden), noch darf ein Lichtstrahl nach außen dringen, wenn es dunkel ist. Niemand arbeitet, alle bleiben zu Hause hinter verschlossenen Türen, ja sogar der Flughafen wird für diesen Tag geschlossen. Die Ausgangssperre gilt auch für Touristen und auch das Fernsehen oder die mobilen Daten werden von der Regierung für 24 Stunden abgedreht.

Aufgrund des Silent Days haben sich viele Reisende auf kleinere Inseln in der Nähe von Bali vertschüsst, wo dieser Tag nicht zelebriert wird. Deswegen war meine erste Unterkunft auch nicht wirklich bewohnt. Anstatt mich ebenfalls auf eine andere Insel zu begeben, buchte ich mir zwei Nächte in einem schönen Hotel mit Garten, Pool und funktionierendem WLAN, damit ich Nyepi entspannt und gut nutzen konnte.

Silent Day Preperations

Die Stimmung am Tag vor dem Silent Day war in den touristischen Gebieten der Insel war angespannt, die Regale in den Supermärkten leergeräumt und die Menschen etwas hektisch. Dadurch, dass die ganze Insel stillgelegt wird, haben natürlich auch keine Restaurants geöffnet, was dazu führt, dass sich jeder am Nyepi Day selbst versorgen muss. Auch ich kaufte fleißig ein und kam mit den Lebensmitteln aber tatsächlich bis zum Ende der Woche aus, weil ich aus Panik den Tag mit knurrendem Magen zu verbringen, einfach viel zu viel eingekauft hatte.

Abends nahm ich an einem der zahlreichen Umzüge teil, die auf der Insel stattfanden. Die Einheimischen waren traditionell gekleidet und trugen große Statuen den Straßen entlang, die die bösen Geister symbolisierten. Am Ende der Zeremonie wurden diese zum Strand getragen wo sie verbrannt wurden. Am nächsten Tag muss man jedes Jahr ganz still sein, damit die Dämonen nicht den Weg zurück auf die Insel finden, laut den Balinesen.

Nyepi verging schneller als erwartet für mich. Den Pool konnte ich zwar leider nicht benutzen, da es sehr stark regnete, dafür hatte ich aber die ein paar Dinge Zeit, die im Reisealltag manchmal etwas untergehen.

Am Tag darauf checkte ich aus dem Hotel wieder aus und übersiedelte in ein nahegelegenes Hostel, ebenfalls mit Garten und Pool, in Canggu. Dort verbrachte ich die nächste Woche relativ entspannt, verbachte Zeit im Garten und am Pool, machte Yoga und nahm ein paar Surfstunden. Ich blieb bewusst nur an diesem Ort und besuchte keine weiteren, da ich nicht mehr so viel Zeit hatte und mir die entspannte Stimmung in Canggu sehr gut gefiel. Mir gefiel es in der Tat so gut, dass ich mich entschied auf meiner Reise, falls es in meinen schlussendlichen Zeitplan passt, noch ein weiteres Mal nach Bali kommen würde.

Von Bali zurück nach Jakarta

Einen Tag bevor mein indonesisches Visum auslief, flog ich zurück zu meiner Freundin nach Jakarta, wo ich noch ein paar Gepäcksstücke stationiert hatte. Wir verbrachten noch ein gemeinsames Abendessen zusammen, bevor es am nächsten Vormittag zum Flughafen und in weiterer Folge zurück nach Malaysia ging…

Zurück nach Malaysia!